Vom Modevirus Infiziert ....
9 Dez

Vom Modevirus Infiziert ....

Shopping war in den ersten 16. Lebensjahren für mich nicht von Relevanz. Ich bin 1984 geboren und wenn man damals etwas brauchte, kaufte man Vorort, im Versandkatalog oder Mama/Oma nähten selbst. Damals gab es in meinem Ort noch einige Geschäfte, wo man dies und das erstehen konnte. Man konnte damals sogar im Ort Stoffe kaufen, es gab hierzu zwei große Stoffgeschäfte, diese führten neben Stoffe Nähutensilien, u. v. m. Sogar eine Tauschboutique gab es in den 80ern. Schuhe wurden nur gekauft, wenn sie wirklich zu klein wurden, kaputt waren oder wenn Oma einem diese geschenkt hat.

Mein Markenbewusstsein kam erst, in den ersten Jahren im Gymnasium. Da sah ich zum ersten Mal den berühmten „Irokesen Indianer“ von „Diesel“ oder kam mit den Schuhen von „Dr. Martens“ in Berührung. Hier lernte ich zum ersten Mal, dass es für damalige Verhältnisse, wichtig war, Marken zu tragen, um dazuzugehören. Es gab damals Marken wie „Bad+Mad“ mit ihren Jeans oder Airwalk bei Schuhen oder Kappen. Die Marke „Airwark“ gibt es anscheinend laut Internet noch heute zu kaufen, von „Bad+Mad“ hab ich seit den 90ern nichts mehr gelesen.

Als ich die Chance hatte meine Ausbildung im Verlagswesen zu machen, war es dann mit Mode um mich geschehen. Ich hatte die Chance direkt an der Front zu sitzen, mit Models zu sprechen, Go and Sees mitzuerleben und zu erleben wie Shootings vonstattengehen. Hier wurde ich mit dem Fashionvirus infiziert. Ich liebe Mode, Mode macht mir Spaß, lässt mich meine Gefühle ausdrücken und schmeichelt mir auch, wenn ich mal scheiße aussehe. Wenn ich fließende Stoffe wie Viskose, wärmendes Material wie Cashmere auf meiner Haut spüre, ist es um mich geschehen. In meinen Zwanzigern wurde alles gekauft, was mir in die Finger kam. Ich schaute damals weder auf die Passform, das Material, noch den Preis. So kam es, dass ich Designerbekleidung in meinem Schrank hängen hatte, die mir weder passte, noch wo das Material angenehm war. Shoppingtouren einmal die Woche waren keine Seltenheit. Ich ging sogar damals für meine Fashionleidenschaft soweit, dass ich ein fettes Minus am Konto hatte, nur um die aktuellsten Teile aus den Magazinen zu haben. Ebenso bei Kosmetik, kam der neueste Duft heraus, war er auch schon in meinem Badezimmer.

Irgendwann kommst du dann an den Punkt, wo das Minus schon ein Megaminus ist und der Kleiderschrank einfach nur noch voll. Bei meinem ersten Mal säubern meines Kleiderschrankes fand ich anschließend 7 Bananenschachteln vor, die ich am Flohmarkt zu kleinem Geld verkaufte. Mit dieser Aktion wurde mir bewusst, dass ich einfach zu viel an Kleidung habe. Bei Handtaschen und Schuhen ist das wieder etwas anderes, denn davon kann Frau nicht genug haben. Bei den Handtaschen und Schuhen achte ich wirklich auf Qualität. Alle meine Markenhandtaschen kaufte ich Second Hand, da ich es liebe, wenn die Taschen schon eingetragen sind und man schon ein wenig Patina sieht. Auch meine derzeitige Geldbörse habe ich Second Hand erworben. Bei Schuhen hasse ich es nichts mehr, als wenn ich Blasen an den Füssen bekomme, deswegen nur weiche Materialien und vor allem Schuhe die sitzen. Ich bin weiterhin meiner Markenleidenschaft treu geblieben, jedoch kaufe ich nicht mehr alles, nur weil es eventuell im Sale ist und wenn ich experimentieren möchte, dann tu ich das nur bei Second Hand, denn wenn es mir einmal nicht mehr gefällt, kann ich es wieder bei dem Händler meines Vertrauens veräußern und habe nicht den Megaverlust in meinem Börsel.

Heute umfasst mein Kleiderschrank zwei Kleiderstangen und ca. 20 Handtaschen und Schuhe. Auch bei den Kleidergrößen hat sich das eingependelt. Hatte ich vor einigen Jahren noch Kleidergrößen für 5 verschiedene Personen im Schrank hängen, habe ich nur noch das im Schrank hängen, was mir derzeit passt, alles andere kann ich ja Second Hand wieder erwerben. Oftmals erlebe bei meinen Kunden, dass sie wieder Sachen mitnehmen, die sie eigentlich verkaufen möchte, da sie der Meinung sind, dass sie da wieder einmal hineinpassen werden. Man muss so ehrlich sein, wenn man die letzten 3 Jahre nicht hineingepasst hat, wird man es wahrscheinlich die nächsten 3 Jahre auch nicht schaffen, sonst wäre man schon längst in Form.

Mode ist ein immerwährendes Spiel. Frag mal deine Mutter oder Oma oder falls du selbst schon über 30 bist, kannst du auch ein Lied davon singen, ich sag nur „Buffalos“.

Ich habe in den letzten 15 Jahren im Modebusiness gelernt, dass es einfach nur drauf ankommt, dass man sich selbst treu bleibt und sich selbst liebt. Es bringt nichts irgendwelchen Trends hinterherzulaufen, ins Minus am Konto zu gehen, sich runterzuhungern, nur um auszusehen, wie Mädls auf dem Cover von berühmten Magazinen. Noch weniger bringt es etwas dem Trend 
„Fast Fashion“ hinterherzuhächeln und bei preisgünstigen Stores einzukaufen, zu miserablen Qualität. Wer billig kauft, kauft teuer. Ihr werdet es selbst spüren, wenn ihr weniger Polyester kauft, dass ihr weniger schwitzt und dadurch auch weniger Deo benötigen werdet. Es ist alles ein Kreislauf, doch schlussendlich leidet euer Lebensstil darunter.

Ich habe aktuell tolle Sachen in meinem Kleiderschrank, kein Minus mehr auf meinem Konto und kann auch gemütlich bei einer Shopping-Tour ohne schlechten Gewissens mich in ein Kaffeehaus bequemen und mir den Kaffee leisten. Dazu brauch ich keinen Coffee to go von einem Fast Food Lokal, mit dem ich mich dann auf Social Media Plattformen poste, sondern kann den klassischen Kaffee, gebracht von Personal, genießen.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß beim nächsten Kaffeehausbesuch und freue mich auf Fotos davon.


Eure Dani

Marken